Übersicht
Was ist Seifenstock (Säureöl)?
Seifenstock entsteht bei der alkalischen (Lauge-) Raffination von rohen Pflanzenölen wie Sojaöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl und Palmöl. Wenn Rohöl mit Natronlauge (NaOH) behandelt wird, um freie Fettsäuren zu entfernen, bildet die entstehende wässrige Schicht — reich an Fettsäureseifen, Neutralöl, Phospholipiden und Wasser — den Seifenstock.
Bei der Ansäuerung (Behandlung mit Schwefel- oder Salzsäure) werden die Seifen zurück in freie Fettsäuren umgewandelt und ergeben Säureöl (auch Rohsäureöl oder angesäuertes Seifenstock genannt). Säureöl enthält typischerweise 50–90% FFA, 5–20% Neutralöl und 5–30% Wasser, der Rest entfällt auf unverseifbare Stoffe.
Gemäß EU RED III ist Seifenstock aus der Pflanzenölraffinierung in Anhang IX Teil A aufgeführt — der höchsten regulatorischen Kategorie. Das bedeutet: unbegrenzt (nicht der 1,7%-Transportenergie-Obergrenze für Teil-B-Rohstoffe unterworfen), doppelt angerechnet und einer der wertvollsten Rohstoffe für die Mandatserfüllung pro Tonne.
Hauptvorteile
Warum Seifenstock für die Biokraftstoffproduktion?
Anhang IX Teil A — Unbegrenzt
Keine 1,7%-Transportenergie-Obergrenze. Im Gegensatz zu UCO und Tierfetten können Teil-A-Rohstoffe jedes Volumen an Mandatsverpflichtungen abdecken — maximaler regulatorischer Wert.
Bis zu 83% THG-Einsparung
RED III-Standardwert für Seifenstock-basierte Biokraftstoffe. Raffinierungsnebenprodukt trägt minimale vorgelagerte Emissionen — THG-Vorteil wird fast vollständig dem Biokraftstoffprodukt zugerechnet.
Mehrere Ölherkünfte
Verfügbar aus Soja-, Raps-, Sonnenblumen- und Palmölraffinierung. EU-Säureöl (Raps, Sonnenblume) bietet höchste Rückverfolgbarkeit und vermeidet EUDR-/Entwaldungskomplexität.
Kosteneffizient
Raffinerienebenprodukt wird mit erheblichem Abschlag zu raffiniertem Öl gehandelt. Unter Berücksichtigung des Mandatwerts (Doppelzählung, unbegrenzt) sind die effektiven Kosten pro Compliance-Einheit sehr wettbewerbsfähig.
Technische Daten
Qualitätsspezifikationen
Typische Qualitätsparameter für Säureöl (angesäuerter Seifenstock) wie von SUAT Fuels geliefert. Hohe Variabilität zwischen Chargen und Herkünften — chargenspezifisches CoA unerlässlich.
| Parameter | Typischer Wert | Grenzwert | Prüfmethode |
|---|---|---|---|
| Freie Fettsäuren (FFA) | 50–80% | min 50% | AOCS Ca 5a-40 |
| Feuchtigkeit & Wasser | 5–20% | max 25% | EN ISO 12937 |
| Neutralöl | 5–20% | — | AOCS Ca 6b-53 |
| Unverseifbare Stoffe | 2–8% | max 10% | AOCS Ca 6b-53 |
| Schwefel | 50–200 ppm | — | EN ISO 20846 |
| Phosphor | 100–500 ppm | — | EN 14107 |
| Dichte bei 20°C | 0,910–0,940 kg/L | — | EN ISO 3675 |
| Jodzahl | 80–130 (je nach Ölherkunft) | — | AOCS Cd 1d-92 |
Compliance
Regulatorischer Status & Zertifizierungen
EU RED III — Anhang IX Teil A (Raffinierungsrückstand, Unbegrenzt)
- Seifenstock aus der Pflanzenölraffinierung — in Anhang IX Teil A als Raffinierungsrückstand aufgeführt
- Unbegrenzt — nicht der 1,7%-Transportenergie-Obergrenze wie Teil-B-Rohstoffe unterworfen
- Doppelt angerechnet auf EU-Erneuerbare-Energien-Ziele
- Förderfähig für ReFuelEU Aviation SAF-Mandate als HEFA-Rohstoff (mit Säureöl-Vorbehandlung)
- ISCC EU-Produktkettennachverfolgung erforderlich — SUAT Fuels hält aktive ISCC EU-Lizenz
Endverwendungen
Anwendungen
FAME Biodiesel
Mehrstufige Säureveresterung + alkalische Umesterung. Spezialisierte FAME-Anlagen für Rohstoffe mit hohem FFA-Gehalt. EN 14214-konformes Endprodukt.
HVO (mit Vorbehandlung)
Erfordert dedizierte Vorbehandlungsanlage (FFA-Entfernung, Wasserentfernung, Phosphorreinigung) vor der Hydroverarbeitung. Hoher Anhang IX Teil A-Wert rechtfertigt die Investition.
HEFA-SAF
Förderfähig für ReFuelEU Aviation-Mandate. Unbegrenzter Teil-A-Status macht ihn besonders attraktiv für SAF-Produzenten, die das Mandatserfüllungsvolumen maximieren müssen.
Co-Blending
Mischung mit Rohstoffen mit niedrigerem FFA-Gehalt (UCO, Rapsöl) zur Optimierung des Anlagendurchsatzes und der Verarbeitungswirtschaftlichkeit in bestehenden FAME- oder HVO-Anlagen.
Bezugsgeografie
Herkünfte & Verfügbarkeit
Seifenstock wird in jeder Pflanzenölraffinerie produziert. EU-Material (Raps-Säureöl aus Deutschland, Polen, Frankreich; Sonnenblumen-Säureöl aus der Ukraine, Rumänien) wird für die EU-Mandatskonformität wegen der Rückverfolgbarkeitsvorteile bevorzugt. Südamerikanisches Soja-Säureöl (Brasilien, Argentinien) ist preislich wettbewerbsfähig, erfordert aber EUDR-Rückverfolgbarkeit. Palm-Säureöl (Malaysia, Indonesien) ist verfügbar, unterliegt aber Entwaldungsrisiko-Prüfung und EUDR-Anforderungen.